Blutgeld: Tatort goes Mafia
Ich gebe es zu. Ich liebe Fernsehen. Ich mag Reportagen, ich mag Spielfilme, ich bin wahrscheinlich die einzige Person in ganz Deutschland, die immer noch Zoo-Dokus sieht, und ich nehme meine Lieblingssendungen auf, wenn ich sie nicht live sehen kann.
Ich liebe die Twilight- Filme, obwohl ich deutlich über 15 bin, ich liebe Liebeskomödien und ich kann mir beim geringsten Anlass die Augen ausheulen. Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch auf der ganzen Welt, der sogar bei „10 Dinge die ich an dir hasse“ ein Tränenmeer vergossen hat.
Nur eins mag ich überhaupt nicht: Mafia-Filme!
Schande über mein Haupt, aber das ständige Gebrülle und die ständigen Morde sind einfach nichts für mich. Ich verfüge deswegen allenfalls über unfreiwillige Grundkenntnisse in diesem Genre und weiß, was es heißt, wenn Pussy bei den Sopranos ins „Zeugenschutzprogramm“ aufgenommen wird.
Gestern Abend jedoch wurde ich ganz gehörig an der Nase herumgeführt. Der sonntägliche Tatort gehört bekanntermaßen zum Pflichtprogramm, doch gestern hat er sich als Mafia-Filmchen verkleidet.
Die Handlung der ersten Halbzeit: Ein Familiendrama?
Marc (von dem ich bis heute morgen dachte dass er „Max“ hieß) Simon, Banker und treu sorgender Familienvater inkl. Golden Retriever kommt nach Hause, wo er Frau und Tochter erschossen im Wohnzimmer auffindet. Er ergreift die Flucht und macht sich somit zum Verdächtigen Nummer eins.
Am nächsten Morgen erscheint er bei der Arbeit (Banker! Das Leben liegt in Trümmern aber man geht trotzdem zur Arbeit) und wird kurz darauf festgenommen.
Augenscheinlich traumatisiert (ich hatte kurz große Angst vor der gefühlt 158. Amnesiegeschichte) wird er von Thorsten Lannert und Sebastian Bootz verhört. Durch seine wenige kommunikative Art macht er sich noch verdächtiger.
Die ganze Sache wird nicht besser durch die Tatsache, dass schon bald herauskommt, dass Marc Simon ein Doppelleben führte und neben Frau und Tochter eine Geliebte und mit dieser einen Sohn hat. Nebenbei: Beide Familien wussten voneinander.
Die Handlung der zweiten Halbzeit: Ab in die Unterwelt?
So holpert die erste Halbzeit des Tatorts am Rande eines wenig aufregenden Familiendramas dahin, und ich war schon kurz davor, abzuschalten, als die ganze Sache in der zweiten Runde eine recht überraschende Wendung nahm.
Finanziell gesehen sind zwei Familien nämlich eine harte Nuss.
Und ganz plötzlich war man mittendrin iin den Abgründen der Mafia, denn aus Geldnot macht sich Marc Simon auf den Weg in die Unterwelt.
Dass mit den dort hausenden Kollegen von Tony Soprano nur bedingt gut Kirschen essen ist, sollte bekannt sein. Schulden bei der Mafia sind auf jeden Fall eine eher schlechte Idee.
So stand schon zu Beginn der zweiten Halbzeit fest, dass Frau und Tochter von Marc Simon Opfer der Mafia wurden. Und die Mafia wäre ja nicht die Mafia, wenn sie nicht auch die „Zweitfamilie“ im Blick hätten.
Der gemeinsame Sohn Florian von Frau Nr. 2 und Marc Simon wird entführt, woraufhin Herr Simon mächtig böse wird und Familienangehörige des mafiösen Hoteliers namens Morelli als Geiseln nimmt, um seinen Sohn freizupressen.
Einen Mafiaboss zu erpressen ist GANZ schön mutig. Ich war beeindruckt. Mindestens ebenso beeindruckend war der Showdown.
Florian wird tatsächlich freigelassen, Marc Simon lässt zwei der Geiseln frei und verlässt mit der letzten Geisel, dem Bruder des ebenfalls anwesenden Hotel- Paten Morelli, das von SEKlern umstellte Haus.
Genau in diesem Moment wird Hotel- Morelli abgeführt, denn man konnte ihm mittels eines abgehörten Handytelefonats nachweisen, in die Entführung von Florian verstrickt gewesen zu sein.
Marc Simon zielt mit seiner Waffe (ich habe leider vergessen, woher er die hatte) auf den Paten und….. wird selbst erschossen.
Ende.
Ende? Nicht ganz. Marc Simon steckte mit der Polizei unter einer Decke, trug eine schusssichere Weste inkl. vieler Blutbeutel und hat das ganze Drama überlebt.
Und dann, dann sind er und seine „Zweitfamilie“ doch tatsächlich ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden
.
Ganz echt und auf „nicht sopranische“ Art und Weise.
Fazit
Übertrieben? Mag sein. Unrealistisch? Vollkommen egal. Ungewöhnlich? Auf jeden Fall. Spannend? Ja, verdammt. Endlich mal wieder!
Während ich die erste Halbzeit mehr mit meinem Handy und den darauf herumwuselnden „Siedlern“ beschäftigt war, habe ich die zweite Halbzeit interessiert verfolgt.
Endlich mal wieder ein guter Tatort. Spannend, mit einer überraschenden Wendung und GOTT SEI DANK ohne die schrecklich langweilige Geschichte um Thorsten Lannert und seine Nachbarin. Die Familienangelegenheiten von Sebastian Bootz blieben zwar nicht ganz außen vor, waren aber so blass, dass man sie schnell vergessen hatte.
Ich war schon kurz davor, meine Sonntagabende lieber mit dem „Perfekten Z-Promi- Dinner“ zu verbringen als mit den immer langweiliger werdenden Tatorten.
Aber jetzt bin ich wieder glücklich und wieder ein überzeugter Tatort- Fan! Und vielleicht gucke ich demnächst sogar auch mal einen Mafia- Film
P.S Ist eigentlich keinem die Ähnlichkeit des „Freundes der Familie“ André Lindner mit Jörg Kachelmann aufgefallen???? Hier nochmal zum Vergleich:
P.P.S Gemeint ist der Typ im Hintergrund


