17. Mai 2010 in Allgemein, Hinter den Kulissen von

Sonntag 16.05.2010. 20:15 Uhr. Ganz Deutschland sieht fern. Ganz Deutschland? Ja GANZ Deutschland. Doch eine kleine aber feine Wohnung in Köln, die von einer ebenso kleinen (und auch ganz schön feinen) aber umso unbeugsameren nicht gallischen Jenny  bevölkert wird,  leistet dem allgemeinen Tatort- Zwang Widerstand.

Ihre Ausrede: „Habe ich ganz vergessen“ …

Einen Tatort vergessen? NIEMALS!

Grade diesen Tatort hätte sie sehen müssen. ( Nein, ich werde jetzt nicht auf der größentechnischen Ähnlichkeit zwischen Jenny und „Alberich“ herumhacken, was wirklich schwer fällt. )

Der Tatort „Der Fluch der Mumie“ war ein Highlight. Endlich mal wieder. Ein weiterer Polizeiruf und ich hätte freiwillig WallStreet geguckt (ein Film, den ich nie verstanden habe…)

Um was es ging- einfach und vollkommen logisch

Beim Entrümpeln eines (natürlich komplett unbeleuchteten) Dachbodens fällt dem Hippie-Vater von Kommissar Thiel eine Mumie buchstäblich vor die Füße.

Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei der Mumie um eine archäologische Sensation handelt, die nicht aus Ägypten sondern aus Persien stammt. Doch der schnellst herbeigeeilte Professor Boerne wäre nicht er selbst, wenn er sich die Erforschung und Untersuchung der Mumie nicht im Skalpellumdrehen unter die manikürten Fingernägel reißen würde.

Schon bald hat er, sehr zum Missfallen aller beteiligten Archäologen, Zweifel am Todeszeitpunkt des mumifizierten „Prinzen aus Persien“ denn der starb offenbar durch einen Schuss in den Schädel. Eine Tatsache, die bei einer angeblich mehr als 4000 Jahre alten Mumie durchaus zu denken gibt …

Unterdessen ist Kommissar Thiel mit dem Mord am Vollzugsbeamte Mathias Reinhard beschäftigt. Reinhard war, freundlich ausgedrückt, ein sadistisches Arschloch der die Häftlinge des Münsteraner Gefängnisses schikanierte und, wie sich sehr viel später herausstellte, mit Drogen vielerlei Art versorgte.

Noch “unterdessener” bekommt die krankgeschriebene Assistentin Boernes, Silke- Alberich- Haller, Besuch von ihrem jüngst aus dem Knast entlassenen „Brieffreund“ Andreas Lechner. Der legt in kürzester Zeit eine Tatort-Karriere sondergleichen hin:  Durch ihn bekommt man Einblick in das Leben von Alberich und ihrer Dogge Wotan *g*,er wird der neue Autopsie- Hiwi von Boerne und Alberich, ist ganz nebenbei der Hauptverdächtige im Mordfall Reinhard und identifiziert den wirklichen Mörder am Schluss anhand eines Handy- Klingeltons .

Da soll noch einer sagen, ein Tatort-Bericht hätte nichts in einem Handy-Blog zu suchen!

So, und wie bekommt man die Handlungsstränge jetzt zusammen?

Ganz einfach und vollkommen logisch.

Die Mumie ist kein persischer Prinz sondern ein ehemaliger Mitgefangener Lechners. Es gibt im Tatort nämlich Computer, die äußerlich einem C64 ähneln, innerlich aber so pfiffig sind, dass sie innerhalb von wenigen Sekunden, begleitet von jeder Menge „tüttütdüdelüt“- Geräuschen das Gesicht einer Mumie rekonstruieren können, das dann zu 100 % GENAU SO aussieht, wie das Knastfoto eines vor Jahren „entflohenen“ Häftlings.

Die Mumie ist also weder persisch noch alt, geschaffen wurde Sie von einem geltungsbedürftigen Archäologen, der die Leiche zufällig beim Joggen im Wald gefunden hat …

Erschlagen wurde der mumifizierte Mann übrigens vom Gefängnischef, der daraufhin von Reinhard erpresst wurde. Tatorttypisch ist Reinhard dies nicht besonders gut bekommen und er wurde schlussendlich vom Gefängnischef erschlagen.

Dummerweise klingelte das Handy des Knastchefs, als er mit dem Mord beschäftigt war. Zufällig stand Andreas Lechner in diesem Moment vor der Tür, denn auch er hätte allen Grund gehabt, den sadistischen Aufseher ein Köpfchen kürzer zu machen. Lechner hat es sich dann zwar anders überlegt aber immerhin konnte er den Täter anhand des Klingeltons identifizieren.

Nur…. Wen interessiert bei so einem Tatort der Schluss…. Es lebe die Situationskomik!

Fazit- jede Menge Spaß und vielleicht auch kein “richtiger” Tatort

Ein Münsteraner Tatort ist kein normaler Tatort. Er ist leidlich spannend, dafür aber umso unterhaltsamer. Einige Tatort- Fans kritisieren, dass die Tatorte aus Münster eher Komödien als Krimis sind, und ganz unrecht haben sie nicht.

Der Fluch der Mumie war unglaublich lustig, skuril und durchsetzt von so vielen Zufällen, dass das ganze Geschehen so realistisch wie eine Folge der ??? war ( ja, diesen Vergleich habe ich geklaut).

Der großartige Humor ist nicht mehr ganz frisch, aber immer noch originell und immer wieder der perfekte Abschluss eines Wochenendes.

Lieblingszitate

„Haben Sie ein Auto vorbeifahren gesehen?“

“Hier ist grad ein grüner Citroen vorbeigekommen. Da saß nur niemand am Steuer”

“Ja, das isser.”

…eine kleinwüchsige Person einen Fluchtwagen steuern zu lassen ist wirklich eine brillante Idee!

Boerne beim Anblick der Mumie:

„Ja, der ist tot!“

Thiels Vater auf die Frage, warum er so gereizt sei:

„Weil Sie mir meine Mumie madig machen mussten.”

Boerne zu Thiel:

„mir meine Mumie madig machen mussten  - eine so schöne Alliteration können Sie nicht bilden“

Was ich nicht verstanden habe:  Warum lachen Thiel und Boerne als Lechner ankündigt, sich in seine Heimatstadt AURICH zurückzuziehen … was bitteschön gibt es denn gegen AURICH zu sagen?? ;-) Hat da jemand was gegen Ostrfriesland?

P.S Die Bezeichnung „Morbus Boerne“ für das Syndrom sich ständig profilieren und in den Vordergrund drängen zu müssen, werde ich in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen!

P.P.S Mehr als 10 Millionen Deutsche habe diesen Tatort gesehen. Der Martkanteil lag bei 28,6 Prozent. Mit anderen Worten: Es war der erfolgreichste Tatort seit 5 Jahren.