24. August 2009 in Chesters Diary von

gleichsofort

Am Freitag rümpfte mein Frauchen die Nase, als ich mich an sie kuscheln wollte und sagte: „Puh, Chester du stinkst, wir müssen dich mal duschen“ … Fein, denke ich mir, duschen ist das Letzte, auf das ich Lust habe, aber du hast ja nicht gesagt WANN wir diese elendige Prozedur hinter uns bringen müssen.

Wenige Sekunden später fand ich mich in der Dusche wieder und wurde von Kopf bis Schwanzspitze mit einem ekelhaft blumig riechenden Shampoo eingeschäumt. Was sagt mein wenig feinfühliges Frauchen zu meiner Märtyrer-Miene? „Stell dich nicht so an Chester, das ist mit Aloe Vera und gut fürs Fell, gut für die Haut und gegen Stinken“. Ich habe keine Ahnung wer oder was dieses Aloe Vera ist und ob es gut für irgendwas ist, ist mir scheißegal, Hauptsache diese Duscherei ist schnell erledigt. Mit der viel geübten „es-ist-bestimmt-gleich-vorbei-Miene“ ließ ich die so ungeliebte Bewässerung also über mich ergehen.

Wie immer habe ich, nachdem es vorbei war, versucht beleidigt zu sein, was mir auch ganz gut gelungen ist. Ich habe bestimmt ganze zwei (!!) Minuten nicht mit dem Schwanz gewedelt! Dann habe ich mich in die Sonne gelegt und nachgedacht.
Menschen sind kompliziert. Sie sagen Dinge, die sie nicht so meinen, benutzen Wörter, die kein Hund auseinanderhalten kann, und wundern sich dann, wenn man mal nicht so funktioniert, wie die werten Zweibeiner es gerne hätten.

Ein besonderer Fall ist die Verwendung der Worte „Sofort“ und „gleich“, wobei hier schon problematisch ist, dass diese Wörter nicht immer laut ausgesprochen werden sondern manchmal einfach vorausgesetzt werden.

Chester, wir müssen dich duschen… in diesem Fall klang es für meine Ohren eindeutig nach einem „gleich“ oder „irgendwann“, denn für meinen Geschmack habe ich hervorragend gerochen… Gemeint war aber „SOFORT“.

Wenn die Zweibeiner sagen: Wollen wir spazieren gehen, heißt das noch lange nicht, dass dies SOFORT geschehen muss, vielmehr ist sehr oft „gleich irgendwann“ gemeint…

Wenn Diana mich ruft, damit ich zu ihr komme, ist hingegen immer SOFORT gemeint, auch wenn ich grade mit sehr wichtigen Dingen (wälzen,fressen, taub sein) beschäftigt bin. Wenn ich den „komm mal her“ –Befehl allerdings etwas großzügiger, also eher als ein „gleich“, auslege, findet man bei der zweitverzögerten Rückkehr eine vor Wut schäumende Diana vor oder, was noch schlimmer ist, man findet niemanden mehr vor, weil Diana sich hinter einem Baum versteckt hat, um mich zu ärgern. Wie viele Stunden sie so schon hinter Bäumen verbracht hat, werde ich irgendwann ( also weder sofort noch gleich) ausrechnen.

Wenn Diana Hunger hat, muss sie SOFORT etwas zu essen bekommen, wenn ich Hunger habe, reicht ein GLEICH … Wenn Diana und mein Herrchen sich am Freitagabend, herausgeputzt wie an Karneval, aus dem Staub machen und sich mit einem „bis gleich Chester“ verabschieden, heißt das noch lange nicht, dass sie auch wirklich gleich zurückkommen … Gleich kann in diesem Fall verdammt lange dauern… Komisch diese Menschen und ihr Sprache. So, jetzt will ich SOFORT etwas zu essen und SOFORT ein wenig spielen….