9. Juli 2010 in Hinter den Kulissen von

In diesem Bericht geht es um ein Buch. Zur Erinnerung: Ein Buch ist ein sperriges Ding mit vielen Blättern, genannt Seiten, aus Papier.

Wenn man sich ständig mit dem Thema Handys auseinandersetzt, kann man sowas Einfaches schon mal vergessen.

Was hat ein Bericht über ein Buch in einem handylastigen Blog zu suchen? Auf den ersten Blick sicher nichts. Auf den zweiten Blick geht es im Sparhandy-Blog aber ja auch ein bisschen um uns, die bei Sparhandy ihr Geld verdienen und viel Zeit in ihren Büros verbringen. Und da wir manchmal auch ein bisschen privat miteinander reden, ist mir aufgefallen, dass überraschend viele Menschen bei uns Bücher lesen.

Keine ebooks sondern schöne und gut riechende Bücher. Ist ja auch eine feine Ablenkung, wenn man den ganzen Tag vor dem PC verbracht hat.

Ich selbst lese gerne, lege Bücher, die ich nicht mag, aber auch zur Seite und lese sie nicht zu Ende.

Für uninterressante Bücher ist mir meine Zeit zu Schade.

Ein Buch, das mich in den letzten Tagen nicht losgelassen hat, heißt „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“. Geschrieben wurde es von der Autorin Suzanne Collins.

Seit Tagen nerve ich meine Kollegen mit meiner Begeisterung für dieses Buch. Auch Jenny ist genervt, und schlug mir mit den freundlichen Worten „verdammt, schreib´s doch einfach auf“ vor, meiner Begeisterung via Blog Luft zu machen. Recht hat sie :-)

Die Handlung

Das Amerika der Zukunft wurde durch Kriege fast vollständig zerstört. Was bleibt ist Panem, dessen mehr oder weniger bewohnbaren Landstriche in dreizehn Diskrikte aufgeteilt wurden, die durch das Kapitol auf höchst unfreundliche Art und Weise regiert werden.

Angestachelt durch die unmenschlichen Verhältnisse und die noch unmenschlichere Regierung des Kapitols, revoltierte der dreizehnte Bezirk. Die Revolution wurde niedergeschlagen, der dreizehnte Bezirk zerstört.

Damit die Bewohner der verbleibenden Bezirke nicht vergessen, dass sich Widerstand gegen das Kapitol nicht lohnt und schwer bestraft wird, werden alljährlich die sogenannten „Hungerspiele“ durchgeführt.

In jedem der zwölf Bezirke werden hierfür ein Junge und ein Mädchen, die sogenannten Tribute, ausgewählt. Ihnen wird die zweifelhafte Ehre zu Teil, in eine gigantische Arena gesperrt zu werden, um sich gegenseitig zu töten. Am Ende bleibt nur ein Kind übrig.

Als die zwölfjährige Prim ausgewählt wird, meldet sich ihre ältere Schwester Katness freiwillig, um an Prims Stelle in die Arena zu ziehen. Zusammen mit Peeta, einem Jungen, der sie in ihrer Kindheit vor dem Verhungern rettete, wird Katness ins Kapitol gebracht und auf die bevorstehenden „Spiele“ vorbereitet.

Die Spiele und ihre Vermarktung

Der Einzug der Tribute wird ebenso medienwirksam inszeniert wie ihr Kampf in der Arena. Sie werden gefüttert, hübsch eingekleidet und Teil eines gigantischen Vermarktungskonzepts.

Die Spiele werden selbstverständlich 24 Stunden live im Fernsehen übertragen. Wird der Überlebenskampf zu langweilig, schreitet der „Spielemacher“ ein und sorgt für ein wenig Action.

Mutierte Bestien werden auf die Kinder losgelassen, das Klima in der Arena wird bis zur Unerträglichkeit verändert, Nahrungsmittel und Medikamente werden rationiert bzw. stehen nur den Tributen zur Verfügung die es geschafft haben sich für Sponsoren interssant zu machen.

Um Sponsoren zu angeln und sich beim Publikum beliebt zu machen, sollen Katness und Peeta in der Arena ein Liebespaar spielen. Nein, es ist nicht so, wie ihr denkt. Zumindest nicht ganz so ;-) .

Keine süße Liebesgeschichte, keine Vampire

Die Tribute von Panem ist keine süße Liebesgeschichte nach dem Twilight- Schema. Im Vordergrund des Buchs steht der Kampf der Tribute in der Arena. Über diesen Kampf wird schonungslos offen berichtet, es fließt jede Menge Blut, menschliches Handeln ist die Ausnahme.

Mindestens ebenso grausam sind jedoch die Darstellung der Spiele in der Öffentlichkeit und der inszenierte Medienhype. Unweigerlich denkt man BigBrother oder noch schlimmer, „Das Dschungelcamp“.

Natürlich kämpft dort niemand um sein Überleben, ihr werden jedoch sicher ebenfalls einige Parallelen entdecken.

Kritikpunkt: Brutalität?

Bei Amazon bekommt „Die Tribute von Panem“ sehr gute oder sehr schlechte Kritiken. Kritisiert werden die blutige Darstellung der Kämpfe, die Empfehlung des Buchs als Jugendbuch und nicht zuletzt die distanzierte Sichtweise Katness´.

Ja, das Buch ist ein ziemlicher Schocker. Schließlich geht es um Kinder, die (zum größten Teil) nichts anderes im Kopf haben als sich gegenseitig zu ermorden. Die Kinder der reichen Bezirke werden vom Tag Ihrer Geburt zu Tötungsmonstern erzogen, um im Fall einer Teilnahme an den Spielen gut abzuschneiden und der Familie somit Ruhm und Ehre zu bringen.

Eine grauenvolle Idee? Absolut, mindestens genau so schockierend ist jedoch das Intersse, mit dem das Treiben der „Spiele“ von der Allgemeinheit aufgenommen wird. Die Spiele und das Töten gehören,wenn auch zwangsweise, zum Alltag. Bei der Auswahl der Tribute besteht Anwesenheitspflicht für jeden Bürger der nicht auf dem Totenbett liegt, wer schlecht über das Kapitol redet oder Kritik äußert, wird beseitigt.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein sehr medienkritisches, die Brutalität in diesem Zusammenhang überzeugt durch erschreckenden Realismus, alles andere wäre zu weich.

Kritikpunkt: Distanz

Katness Sichtweise ist in der Tat distanziert. Während der ersten Tage im Kapitol interssiert sie sich mehr für das dort im Überfluss vorhanden Essen, als für alles andere. Meiner Meinung nach ist dieser distanzierte Schreibstil nicht auf das Unvermögen der Autorin zurückzuführen sondern beabsichtigt.

Dass ein Mensch, der sich in seinem ganzen Leben nie sattessen konnte, Nahrungsmittel mit anderen Augen sieht, ist sicher jedem klar, der Großeltern hat, die noch 65 Jahre nach Kriegsende Lebensmittel horten, als würde es am nächsten Tag keine Supermärkte mehr geben.

Katness wächst mit der ständigen Bedrohung durch Hunger und „die Spiele“ auf. Das Töten von Tieren zwecks Nahrungsbeschaffung und somit die ständige Gefahr von den Wächtern des Kapitols wegen Wilderei verhaftet und hingerichtet zu werden, lassen sie nicht unbedingt zu einer Prinzessin auf der Erbse werden.

Die Liebe zu Ihrer Schwester und die Freundschaft zu Gale, Ihrem Jagdgefährten, lassen sie jedoch so menschlich wie möglich bleiben. (Und außerdem muss eine Protagonistin sympathisch sein und trotzdem Ecken und Kanten haben ;-)

Die Beziehung zu Peeta ist eine nette Ergänzung die dem Leser den ein oder anderen Moment zum Durchatmen verschafft. Ob die Beziehung der Beiden wirklich nur inszeniert ist oder aus der Inszenierung wirklich Liebe wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Es ist nämlich nicht alles so einfach, wie es scheint.

Fazit

Die Tribute von Panem ist lesenswert. Ob es ein Jugendbuch ist, kann man bezweifeln, Suzanne Collins ist nicht Goethe und schreibt deswegen auch nicht so. Das Buch in das „unterhält-nur-weil-es so-krass-ist“ – Lager zu schieben ist sicher nicht gerechtfertigt.

Es ist brutal, doch eigentlich geht es um Freundschaft. Es ist äußerst kritisch, ohne ständig mit der Moralkeule zu winken. Mir gefällt diese Mischung und ich bin gespannt auf den zweiten Teil. Nebenbei: Ich würde jetzt wirklich gerne Feierabend machen, um weiterzulesen ;-) ( ja, ich weiß, es ist erst 11:00 Uhr)