6. Februar 2009 in Chesters Diary von

In den letzten Tagen sind einige merkwürdige Dinge passiert. Am Montagabend waren wir beim Tierarzt. Das kenne ich inzwischen und habe auch aufgehört meine „Chester-muss-zum- Tierarzt“ Show abzuziehen, die über fast zwei Jahre regelmäßig aufgeführt wurde und aus folgenden Schritten bestand:

1.    Hartnäckig weigern das Haus, in dem der Tierarzt ist, zu betreten. Hierfür auf den Bürgersteig setzen, die Ohren hängen lassen und unglaublich mitleiderregend gucken. Manchmal habe ich auch ein wenig gewinselt. Im Nachhinein muss man sagen: All das bringt nicht viel. Das Höchste der Gefühle war einmal ein kleiner Menschenauflauf, der sich meine Show mit regem Interesse ansah und gelegentlich Anmerkungen wie „Tierquälerei“, „der arme Kleine“ und „anzeigen sollte man so was“ verlauten ließ. Diana ist schrecklich dickköpfig und ignoriert so was vollkommen. Sie wird höchstens ein wenig rot. Leider ist sie stärker als ich. Eiskalt kann sie sein die blöde Kuh. Einfach gepackt hat sie mich immer und in das böse Haus gezogen/geschoben. Und das ohne ein Wort der Anteilnahme!

2.    So tun, als ob man sich in sein Schicksal gefügt hat und die ersten Treppenstufen hochlaufen. Dann aber (ganz wichtig!) in Windeseile umdrehen und die Treppe wieder runterrennen. Diana ist zwar stark aber manchmal leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Hat einmal fast geklappt … aber halt nur fast.

3.    Sich in der Tierarztpraxis hinter Diana verstecken und versuchen unsichtbar zu werden.

4.    Im Wartezimmer die Tierarzthelferin anbellen.

5.    Sich weigern, das Behandlungszimmer zu betreten. Ergebnis: Schieben und ziehen Teil zwei.

6.    Auf dem Behandlungstisch zittern, was das Zeug hält!

Tja, da fragt man sich doch warum ich diese überaus erfolgreiche Chestershow eingestellt habe. Ganz einfach: Es bringt absolut überhaupt gar nichts! Keine mitleidigen Worte, NICHTS!
Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Der Tierarzt ist ganz nett und wehgetan hat er mir auch noch nie. Außerdem gibt er mir manchmal was zu essen. Aber für den Fall das ihr selbst nicht gerne zum Arzt geht:  Die oben genannten Schritte kann ich nur empfehlen. Sie sorgen auf jeden Fall für strapazierte Nerven bei den jeweiligen Begleitern.

Zurück zum Thema. Ich bin also brav und erwachsen zum Tierarzt gegangen.

Meine Rudelführeranwärter haben sich ewig mit dem Tierarzt unterhalten. Ab und zu geseufzt und mitleidig auf mich geguckt. Oft fielen die Wortfetzen: “Sexsüchtig”, “rammelt ständig”, “durchbrennen”, “vollkommen besessen”, und „wird immer schlimmer“.

Ich habe mich überhaupt nicht angesprochen gefühlt und mich ein wenig für meine Rudelführer geschämt. Dass sie mit meinem Arzt über sowas reden, muss doch nun wirklich nicht sein! Gibt es keinen Menschenarzt? Ich wusste auch gar nicht, dass es so schlimm ist mit den beiden. Peinlich, peinlich. Es gab dann noch ein paar mitleidige Seitenblicke, die merkwürdigerweise mir galten, dann einen kleinen Piecks und das war es.

Einen Tag später dann die Katastrophe: Diana hat meinen Rammelelch, meinen Sexualpartner in guten wie in schlechten Zeiten (mit spitzen Fingern und einem leicht angeekelten Blick) weggeräumt. Was will sie nur machen mit dem Elch? Sie wird doch wohl nicht … nein, das kann nicht sein so was macht sie nicht … Wenn ich weinen könnte, hätte ich es getan! Ich habe den Elch überall in der Wohnung gesucht, nicht gefunden und mich aus Protest auf den Boden im Flur geworfen! Schluss, aus, weg ist er. Das Ende einer Großartigen (wenn auch etwas einseitigen) Liebe. Tschüss mein lieber Elch, es war schön mit dir, wenn du auch immer ein wenig passiv warst. Viellicht konntest du deine Gefühle einfach nicht so gut zeigen. Ich hoffe dein nächster Besitzer ist genauso „gut“ zu dir wie ich.

Komisch ist jedoch Folgendes: Ich vermisse den Elch schon jetzt nicht mehr so doll und habe auch irgendwie keine Lust mir einen Ersatz zu suchen. Auf der Hundewiese gestern hatte ich auch überhaupt keine Lust mich so wie immer auf die anwesenden Hündinnen zu stürzen, um sie zu rammeln.  Naja, jeder hat mal einen schlechten Tag. Aber ein wenig wundern tue ich mich schon über mich selbst. Ich glaube da gehen Dinge in mir vor, die ich noch nicht so richtig verstehe (Nachtrag des Korrektors: ja Chester, das denke, und hoffe ich auch!).

Evtl. suche ich mir ein anderes Hobby … vielleicht trete ich in einen Karnevalsverein ein? Ich habe noch SO ein tolles Kostüm gesehen! Schaut mal hier. Oder doch eher was Intellektuelles? Komisch, was für Gedanken man sich auf einmal macht …