HTC Titan- manchmal kommt es eben doch auf die Größe an
Während mein Kollege sich im Zimmer nebenan angesichts des wirklich beeindruckenden Lieferumfangs des HTC Rhyme nahezu überschlägt vor Glück ( Testbericht folgt), beäuge ich das HTC Titan im Moment noch ein wenig skeptisch. Es ist nämlich verdammt groß. Genauer gesagt: 131.5mm x 70.7mm x 9.9mm mm. Das Display des Titan misst 4.7″ Zoll ( 11,9 cm). Mit 160 Gramm ist es alles andere als ein Leichtgewicht. Die Kanten des HTC Titan sind recht eckig, was es nicht unbedingt zu einem Handschmeichler macht. Wie die meisten HTC Geräte wirkt das HTC Titan jedoch absolut wertig.
Meine zugegebener Maßen kleinen Hände sind mit den Dimensionen des HTC Titan ein bisschen überfordert. Das Handy in einer Hand halten und dabei mit dem Daumen in entlegeneren Ecken des Displays tippen funktioniert definitiv nicht. Wenn HTC beim Entwurf des HTC Titan schon nicht an kleine Frauenhände gedacht hat, auf unsere Fingernägel wurde Rücksicht genommen. Anstatt umständlich mit dem Daumennagel zwischen Vorder-und Rückschale des Handys herumzukratzen, um die beiden Komponenten zu trennen, öffnet sich das HTC Titan auf Knopfdruck .
Im Gegensatz zum HTC Rhyme ist der Lieferumfang des HTC Titan übersichtlich: USB-Ladekabel, Netzadapter für das USB Ladekabel, Kopfhörer – fertig. Standard eben.
Neugierig bin ich auf das neue Windows Mobile 7.5 Lieblingfrucht Mango. Ich mochte auch die alten Windows Mobile Versionen und bin gespannt auf die Neuerungen.
Optisch hat sich wenig getan. Das Kacheldesign, das einige meiner Kollegen als „zu statisch“ oder einfach „langweilig“ bezeichnen, wurde beibehalten. Wer´s mag, wird sich freuen, wer nicht eben nicht
.
Um den ganzen Bericht nicht ausufern zu lassen, hier die meiner Meinung nach interessantesten Neuerungen im Überblick
Bilder taggen und an Facebook senden.
Die Idee Bilder direkt auf dem Handy zu taggen und sofort aus dem Foto-Hub an Facebook etc zu senden finde ich als „Apple-User“, der den Umweg über die Facebook- App gewöhnt ist, sehr gut. Funktionieren tut das Ganze einwandfrei- genaugenommen ZU einwandfrei, denn im Handumdrehen habe ich ein Foto bei Facebook gepostet, das da eigentlich nicht hin sollte. Naja. Ist Facebook eben um ein weiteres Bild eines schlafenden Hundes reicher.
Xbox- Neuerungen
Die Xbox- Anwendungen und Neuerungen habe ich nicht intensiver gestestet, finde den eigenen, animierten Xbox Avatar aber zumindest unterhaltsam. Die Möglichkeiten zu sehen, welcher seiner Xbox Freunde grade online ist und wie die aktuellen Spielstände sind, klingt nach einer netten Idee.
Kontakte in Kategorien
Mails in einem zentralen Ordner zu sammeln, Kontakte in Kategorien bzw Gruppen einzuteilen ist zwar nicht neu, sinnvoll ist es auf jeden Fall. Und wo wir grade bei Gruppen sind. Endlich, endlich muss man für seine verschiedenen Mailkonten nicht mehr verschiedene Hubs anlegen. Es gibt einen zentralen Posteingang, das Hantieren mit mehreren Mailhubs hat mich bei meinem letzten Test eines Windows Mobile Smartphones doch ein wenig genervt.
Gebündeltes Chat- und SMS Programm
Den Facebook-Chat, den Windows Messanger und SMS zu einem „Chat-System“ zusammenzufassen, finde ich sinnvoll, das Ganze ist im Nachrichten-Hub zu finden. Wählt man einen Kontakt aus, dem man schreiben möchte, kann man wählen, ob man ihm per SMS/ Facebook-Chat etc schreiben möchte. Von mir gibt das ein eindeutiges „gefällt mir“ .
Neuer Broweser: IE 9
Ganz klar, der IE9 ist schnell. Er unterstützt HTML5 und Videostreaming direkt von der Website. Zum Highlight wird der Browser allerdings in Kombination mit dem riesigen Display des HTC Titan. Komfortabler kann man mit einem Smartphone nicht surfen. Ich lehne mich entspannt zurück, surfe von Seite zu Seite, lese Artikel und werfe (nur ganz kurz) einen vorwurfsvollen Blick in Richtung des MiniDisplays meines iPhones. Surfen mit dem HTC Titan macht Spaß und auch längere Artikel lassen sich grade im Querformat vollkommen entspannt lesen. Ein buchstäblich großer Pluspunkt für das HTC Titan.
Die Bing Suche
Um einige Suchfunktionen erweitert, kann man mit Bing jetzt auch Songs identifizieren lassen. Der Test war jedoch ernüchternd. Vergleicht man die Bing-Suche mit der bekannten App Shazam, hat Shazam schnell die Nase vorn. Um Musik via Bing überhaupt identifizieren zu können, muss man die Musikquelle sehr laut drehen. Genau genommen so laut, dass die Kollegen aus dem Nachbarbüro fragen, ob ich einen guten Ohrenarzt benötige. Alle neueren Songs identifiziert Bing, teilweise allerdings erst im zweiten Versuch. Bei älteren Songs wie bspw. denen der Beatles ist dann aber Schluss. Während Shazam brav das richtige Lied anzeigt, findet Bing kein Ergebnis. Gestestet habe ich das nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Liedern. Was auch immer Microsoft gegen die Beatles und „Oldies“ hat, die Musiksuche über Bing ist verbesserungswürdig. Auch zum Schutz der Nachbarn.
Theoretisch eine gute Idee, praktisch aber derzeit nicht mehr als ein riesen Vergnügen ist die Übersetzungsfunktion von Bing. Einfach auf das Auge in der Bing Suche drücken, den gewünschten Text abfotografieren, „übersetzen“ auswählen, Sprache auswählen und sich über das Ergebnis amüsieren, denn das ähnelte beim besten Willen keiner mir bekannten Sprache. Allein der Buchstabensalat ist ein Augenschmaus. Naja. Vielleicht gibt es ja bald ein Update. Als iPhone-User ist man das Warten auf Updates ja gewöhnt. Zu Bings Verteidigung sei gesagt: Das Scannen von QR- und Barcodes funktioniert!
Office
Office wurde komplett in die Cloud verlegt, in der einem 25 GB Speicher zur Verfügung stehen. Ich will hier ja keine Namen nennen, aber der „Hersteller“ meines Smartphones, verlangt für einen Speicherplatz von 25 GB 32€/ Jahr. Die Cloud ist sicher eine Erfindung, die man schon nach kurzer Zeit nicht mehr missen möchte. Neue Vorlagen erleichtern das Arbeiten darüber hinaus erheblich.
Multitasking
Na endlich. Es geht doch. Auch Windows hat entdeckt, dass Multitasking keine Raketentechnik ist, und hat das neue Windows Phone 7.5 mit dieser Fähigkeit beglückt. Auch wenn es sich in vielen Fällen nicht um ein „echtes“ Multitasking ist, denn die Anwendungen werden im Hintergrund nicht weiter ausgeführt, sondern lediglich eingefroren, auf jeden Fall ist es eine Verbesserung. Musikhören im Hintergrund klappt aber natürlich;)
Kommen wir (noch kurz) zu zwei Details des HTC Titan, die nicht im Zusammenhang mit dem Betriebssystem stehen.
Kamera
Zu den von Windows Mobile schon bekannten sieben „Szenen“, die man auswählen kann, gesellen sich eine Panoramafunktion und die Möglichkeit Mehfachaufnahmen zu tätigen. Ausgelöst werden kann die Kamera über den Touchscreen oder über eine Taste an der Gehäuseseite- regelmäßige Leser werden wissen, dass mir das sehr wichtig ist
Die 8-Megapixel-Kamera des Titan mit Lichtstärke f/2,2, Doppel-LED-Blitz und BSI-Sensor verspricht zumindest viel.
Umgehauen hat mich die Kamera des HTC Titan nicht. Aus unerfindlichen Gründen bekommen manche Bilder einen starken Grünstich, während ein Bild, das man unmittelbar danach aufnimmt, vollkommen akzeptabel ist. Fotos bei schlechten Lichtverhältnissen werden nicht immer perfekt, die Bildbearbeitung hilft hierbei aber durchaus weiter. Bei guten Lichtbedingungen werden die Bilder, die nicht duch den Grünstich verschandelt werden, ausgesprochen gut.
HTC Watch
Filme über das Smartphone kaufen- macht das Sinn? Ja, vor allem, wenn das dafür vorgesehene mobile Endgerät so groß ist, dass man Filme darauf relativ komfortabel ansehen kann. Ist das Endgerät dann noch über den „Verbundene Medien“ Hub via WLAN und DLNA mit TV Geräten etc verbunden, gibt es nichts, was gegen HTC Watch spricht.
Fazit
Mit dem Mango-Update hat Microsoft einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. Dass sich optisch nichts an der Benutzeroberfläche getan hat, freut Fans von Windows Mobile, wird Skeptiker jedoch kaum überzeugen können. Dass das HTC Titan mit nur einem Prozessorkern arbeitet, wird den meisten Nutzern egal sein, denn das Arbeitstempo des HTC Titan ist unglaublich hoch.
Der nicht erweiterbare 16 GB Speicher ist zwar ausreichend, heutzutage aber absolute Mindestgröße. Leider handelt es sich bei der „nicht Erweiterbarkeit“ des Speichers um eine Vorgabe von Microsoft. Eine weitere Vorgabe, nämlich die Bildschirmauflösung von 800 x 480 Bildpunkten, stört im Alltag zwar kaum, schlecht wäre eine höhere Auflösung sicher nicht gewesen. Auch auf Tethering müssen die Fans von Windows Mobile weiterhin verzichten. Immerhin kann man das HTC Titan aber als WLAN Hotspot verwenden. Der Marketplace ist auch weiterhin eine Schwachstelle, denn die Auswahl an Anwendungen ist im Vergleich zum Android Market oder zum Apple App Store begrenzt. Hierbei sollte man jedoch bedenken, dass der Marketplace in den letzten Monaten ein außerordentliches Wachstum verzeichnen konnte.
Die Größe des HTC Titan ist ein Thema für sich: Hat man kleine Hände und möchte das Titan mit nur einer Hand bedienen, ist man zum Scheitern verurteilt. Hat man sich jedoch daran gewöhnt, dass man gelegentlich die zweite Hand zu Hilfe nehmen muss, werden die Vorteile der Größe bei nahezu jeder Anwendung deutlich: Selbst das Ansehen von Videos ist mit dem HTC Titan durchaus komfortabel. Mit dem 7.5er Update wird Windows Mobile erst richtig interessant. Für dieses Betriebssystem ist das HTC Titan ein (fast) perfektes Endgerät.

8. Januar 2012 at 16:04 | Bernie
Also ich find das Handy ja ganz nett aber die Größe schreckt mich ein wenig ab. Ich mein wo soll das mit der Größe der Smartphones noch hingehen. Sieht irgendwie komisch aus wenn man mit einem Smartphone in Tabletgröße telefoniert… Lachen die Leute einen auf der Strasse aus ..