8. April 2009 in Chesters Diary, Sparhandy von

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Das Wetter wird schöner, Menschen und Hunde und sonstiges Getier zieht es wieder nach draußen. Die Wiese die im Winter uns Hunden vorbehalten war ist jetzt besiedelt von grillenden Menschen die in, in der Regel friedlicher Kooexistenz mit den ortsansässigen Hunden vor sich hin braten.  Und dann sind da noch die Jogger… Hunde und Jogger existieren oft ebenfalls friedlich nebeneinander her.. Doch oft ist nicht immer und dann ist da noch Achim Achilles…

Freunde?

Achim Achilles ist nicht mein Freund. In seiner Spiegelkolumne schimpft er über mich und meine Artgenossen und ist der Meinung, dass wir am besten alle nach Thailand exportiert werden sollen…zu welchem Zweck könnt ihr euch unter Umständen denken. Ich bin entsetzt. Noch schlimmer: Diana hat beim Lesen dieses Artikels eindeutig gelacht: lange, laut und dreckig.

Meine Gegendarstellung

Ich habe aus diesem Grund beschlossen, eine Gegendarstellung zu schreiben. Vorweg: Hunde und Menschen sind sich ähnlicher als man denkt.

(…) “Ein Köter hatte einen armdicken Ast aus dem Gebüsch gezerrt und damit den Waldweg beschrankt. Die Läuferin bekam den Knüppel vors Schienbein, jaulte, fluchte, lief aber tapfer weiter, anstatt ein ohnehin unergiebiges Gespräch mit dem Hundehalter anzuzetteln, der das Wort “Leinenzwang” offenbar nie gehört hatte“. (…)

Meine Meinung: verflixt, er kennt mich! Aber ganz ehrlich. Wenn ich friedlich einen Ast transportiere, kann das Joggerlein doch einfach um mich herumrennen … es läuft doch eh schon. Die zwei Meter werden ihn nicht umbringen schätze ich. Leinenzwang: Jup,  gibt es.

(…)”Die Töle aber kam wie immer straffrei davon. Und sie war nicht die einzige. Über Kilometer sprangen, kläfften und schnappten die Biester an diesem Sonntagmorgen oder standen einfach nur hohl glotzend im Weg herum. Der Umgang mit den Ungeheuern ist eine Wissenschaft für sich”. (…)

Hohl glotzend…. Verdammt, ich sehe nunmal so aus wenn ich denke! Und nebenbei:  Habt ihr mal den Gesichtsausdruck von menschlichen Joggern gesehen? Nach einer besonders hohen Gehirnaktivität sieht das auch nicht aus. Man kann das nicht so pauschal sagen? Doch!

(…)”Hunde sind der Beweis, dass Darwin doch nicht recht hatte. Von wegen “survival of the fittest”. Hunde können sich weder Essen fangen noch einen Dosenöffner bedienen. Sie würden in einer Winternacht draußen erfrieren und taugen auch als Nutztiere nichts, mal abgesehen von Huskys. Auf Hunden kann man nicht reiten, sie ziehen den Pflug nicht, jagen nicht mal Mäuse. Alles was sie hinkriegen, ist dieser elende Bettelblick, um wieder ein Leckerli abzustauben. Selbst Küchenschaben haben mehr Talente als Hunde” (…)

Da habe ich doch glatt vergessen, dass der „zivilisierte“ Mensch von heute absolut kein Problem damit hätte, in der freien Natur zu überleben. Mit links würde er Tiere erlegen, Fische fangen ( mit der HAND!) intuitiv essbare Pflanzen finden und sich umgehend in seinen natürlichen Lebensraum eingliedern.. was bin ich nur für ein dummer Hund.
Aber jetzt zum eigentlichen Thema, denn schließlich soll es hier insbesondere um Jogger gehen.

Jeder Jogger schön ab in seine Schublade!

Achilles ordnet Hunde die es wagen ihn bei seinem Frühsport zu stören, in verschiedene Gruppen.  Kein Problem, das kann ich auch…

Hunde:
„Klasse 1: Spielzeug, harmlos
Hund: bibbernd, schreckhaft, passt in die Handtasche
Name: Paris, Orlando, Oskar
Abwehr: Einfach laut brüllend drüber laufen. Die wenigen Klugen springen zur Seite.
Halter: magersüchtig, depressiv, wortkarg“

Jogger
Klasse 1: In der Regel weiblich oder schwul, hübsch aber wenig aufregend, sehr schlank, konzentriert gequälter Gesichtsausdruck, berechnet beim Joggen die verlorenen Kalorien. Ganz wichtig: absolute Konzentration auf eine vollkommen unbewegte Mimik!
Name: Mandy, Detlev, Chantal, Jaqueline, Nathalie, Michelle,
Abwehr: Bitte nicht ansprechen, dann nehmen sie sich noch wichtiger! Vollkommen ignorieren ist GANZ wichtig.

Hund:

” Tolpatschig, schwerfällig, steht immer quer zum Weg
Name: Erwin, Donald, Groucho
Abwehr: Möglichst geräuschlos drumherum laufen.
Halter: Rotweinnase, Zeit-Leser, Paisley-Schal mit viel Lila”

Jogger
Klasse 2: Immer schön langsam! Den Puls schön niedrig halten ( Pulsuhr immer im Blick behalten.) Werden häufig von Menschen überholt, die einfach nur ganz gemütlich spazieren gehen. Motivation: „du das macht voll Spaß und ist auch echt total entspannt… da eröffnen sich einem ganz neue Welten…“
Name: Helmut, Uschi, Angelika, Waltraut, Herbert,
Abwehr: einfach langsam dran vorbeiziehen. Schafft wirklich jeder- langsamer gehen wäre gleichbedeutend mit stehen bleiben.

Hund
“Klasse 3: Kläffer, lästig
Hund: Hektisch, aggressiv, nicht größer als ein Dreimonatsferkel
Name: Herr Schmidt, Forrest, Kalle
Abwehr: Tritte antäuschen, Zickzack-Sprint, Stock auf dünne Stelle im Eis werfen

Jogger
Klasse 3
Der manische Querfeldeinläufer. Läuft niemals auf den vorhandenen Wegen sondern buchstäblich kreuz und quer. Häufig hat dieses Exemplar eine Landkarte in der Hand, auf die es ständig schaut. Manchmal bleibt es stehen ( ganz wichtig: dabei IMMER auf der Stelle laufen!), dreht die Karte, legt die rote und schweißtriefende Stirn in Falten, schaut sich hektisch um und rennt in die entgegengesetzten Richtung weiter.

Mit diesem Exemplar habe ich eine ganz besondere Erfahrung gemacht. Ich spielte mit einigen anderen Hunden auf der Hundewiese (!) als ein Jogger am Horizont auftauchte und zügig(!) seinen Weg quer über die Hundewiese fortsetzte. Schließlich lief er zwischen und spielenden Hunden durch. Eine kleiner Welpe lief in Richtung des Mannes, der daraufhin stehen blieb (allerdings natürlich weiterhin auf der Stelle weiter lief) und anfing zu schreien. Ich gebe den Dialog an dieser Stelle frei, aber sinngemäß wieder:

Jogger: „der Huuuuund hat mich angefallen!“

Hundemensch: „er hat sie noch  nicht einmal berührt…“

Jogger: „der Hund muss an die Leiiiiiiine“

Hundebesitzer: „hier ist eine Hundefreilauffläche“

Jogger: „der Huuuuuund hat mich angefallen!“

Hundebesitzer: „wie gesagt… er hat sie nicht berührt geschweige denn angefallen“

Jogger: „ich habe eine Hundephobiiiiiiiie…“

Hundebesitzer: und dann laufen sie über eine HUNDEWIESE?

Jogger: ich darf laufen wo ich wiiiiiiiill

Hundebesitzer: „klar, aber wenn man über eine Hundewiese läuft, muss man damit rechnen unter Umständen auf einen Hunde zu treffen“

Jogger: „man sollte sie anzeiiiiiigen“

An dieser Stelle schaltete sich mein Frauchen in die Diskussion ein. Es ging noch ein wenig hin und her, mein Frauchen war deutlich gereizt (nicht nur bei Hunden können die Naseflügel beben!) .

Am entspanntesten war der „Hund des Anstoßes“. Er schnüffelte, lief wieder in Richtung des Joggers, hockte sich einen Meter neben den so fürchterlich schreienden Menschen und fing an zu pinkeln. An dieser Stelle war die Diskussion dann zu Ende, denn Mann lief (laut schreiend) weiter, die Anwesenden Hundebesitzer fingen an den Welpen, mit allen verfügbaren Leckereien zu füttern. Es war großartig.

PS: Diana bittet mich zu erwähnen, dass Jogger in hautengen Lauf-Leggins eine keineswegs zu unterschätzende Gefahr sind. Zieht euch doch einfach eine richtige Hose an… muss ja nicht jeder jedes Detail eures Hinter (UND Vorder-)teils sehen. Ganz ehrlich: das ist KEIN schöner Anblick! Und: nein, da gibt es keine Ausnahmen!