Lauf, Diana, Lauf. Teil III. – Schuhe kaufen muss nicht schön sein.
Ein Abend wie jeder andere. Die Kölner Innenstadt. Ein Geschäft, das auf Sportausrüstungen spezialisiert ist und gekaufte Waren in häßliche orangefarbene Tüten presst.
Eine Frau um die die dreißig betritt den Laden und steuert, wie könnte es anders sein,die Schuhabteilung an. Sie möchte Laufschuhe kaufen denn sie wurde von Ihrem Lieblingsschuhversand schändlich im Stich gelassen.
Da sie ungeduldig darauf wartet, sich von einer unsportlichen gallertartigen Masse in einen durchschnittlich trainierten Menschen zu verwandeln hat sie beschlossen, nicht länger auf die längst überfällige Schuhlieferung des Onlineversands zu warten.
Sie sucht nach einem motivierten Verkäufer, finden einen solchen und verlangt nach Schuhen. Der Verkäufer beglückwünscht sie und teilt ihr mit, dass es in einer Schuhabteilung durchaus Schuhe zu kaufen gäbe.
Der Verkäufer fragt nach den aktuellen sportlichen Tätigkeiten der Frau. Sie antwortet mit „keine“. Der Verkäufer guckt entsetzt und fragt „GAR NICHTS???“. Die Frau ist genervt „Richtig. GAR NICHTS. NULL!“.
Mit der Kehrseite des Gottesgeschenkes ins Gesicht
Der Verkäufer, der offenbar sehr geschäftstüchtig ist und sich intensiv mit dem Thema „Frauen vollschleimen“ beschäftigt hat mustert die Frau von oben bis unten und sagt „oh… Gottesgeschenk,was?“
Die inzwischen noch genervtere Frau, die Verkäufer die lügen überhaupt nicht leiden kann, teilt dem Verkäufer mit, dass sie ihm in wenigen Sekunden mit der Kehrseite des Gottesgeschenkes ins Gesicht springen werde sofern er nicht aufhöre so einen Schwachsinn zu reden.
Die Basis für eine gute Verkäufer-Käufer-Beziehung ist gelegt.
Der Verkäufer bittet die Frau ihre Schuhe auszuziehen, ihre Hosenbeine bis unter das Knie hochzukrempeln und ein Laufband zu betreten um festzustellen ob sie ein Überpronierer sei.
Die Frau wird blass und offenbar überlegt sie den Laden fluchtartig zu verlassen.
Dann nimmt sie all ihren Mut zusammen und zieht ihre Schuhe (Größe 38) aus. Zum Vorschein kommen Füße in schwarzen Männersocken (Größe 46). Der Verkäufer sieht auf die Füße der Frau und schaut entsetzt.
Die Frau teilt dem Verkäufer mit, dass Sie Männersocken mag. Viel (zu viel) Stoff bringe schließlich nicht nur den Zehen eine Menge Bewegungsfreiheit sondern auch viel Wärme.
Der Verkäufer grinst, die Frau betritt das Laufband. Der Verkäufer bittet Sie erneut, ihre Hosenbeine aufzukrempeln.
Beine im Herbst
Die Frau wird noch blasser und sagt „das geht nicht“. Verkäufer: „warum nicht?“ Frau: „Es ist Herbst“ Verkäufer: „Es macht nichts, wenn Sie blasse Beine haben“ Frau: „Blass ist nicht das Problem, sie sind eher ein bisschen…. Also … naja… nicht frisch rasiert und vielleicht ein kleines bisschen „unglatt““. Der Verkäufer teilt mit, dass dies doch üüüüberhaupt keiiiiiin Problem sei.
Die Frau überlegt nicht nur den Laden sondern auch Deutschland für immer zu verlassen.
Dann beginnt sie, in einer Art Übersprungshandlung auf dem Laufband zu rennen.
Nach wenigen Minuten und viel vergossenem Schweiß ( die Frau scheint wirklich lange keinen Sport gemacht zu haben), teilt der Verkäufer ihr mit, dass sie weder ein Über-noch ein Unterpronierer sei, sondern vollkommen „neutral“ laufe.
Stark dämmende Schuhe seien, aufgrund des nicht vorhandenen Übergewichts nicht notwendig, der Trend gehe auch wieder weg von stark gedämmten Schuhen.
Dummerweise seien wenig dämmende Schuhe für „Neutralläufer“ teurer als Schuhe für übergewichtige Überpronierer. Die Frau denkt über betrügerische Verkäufer, eine spontane Gewichtszunahme und die Anschaffung eines Spreiz-Senk-Plattfußes nach.
Der Verkäufer kramt sechs Paar Schuhe aus den Regalen, die in Ihrer Häßlichkeit kaum zu übertreffen sind.
Die Frau fragt, ob es die Schuhe auch in schön gäbe, der Verkäufer hält einen Vortrag über die Subjektivität von Schönheit. Erneute Fluchtgedanken, gefolgt von der Idee, dass eine Flucht mit Laufschuhen wahrscheinlich schneller zu bewältigen sei.
Die Frau bleibt also tapfer und testet verschiende Paar Schuhe deren Preis doppelt so hoch ist wie der der noch nicht gelieferten Bestellschuhe.
Schließlich entscheidet sie sich. Der Verkäufer fragt, ob die Frau schon eine Kundenkarte habe. Die Frau verneint, zeigt aber durchaus Interesse.
Der Verkäufer beginnt, ihre Daten aufzunehmen.
Als er sie nach Ihrem Geburtsdatum und ihrer Telefonnummer fragt, teilt die Frau ihm mit, dass DAS ja nun einen GANZ billige Masche sei, grinst, klemmt sich den Karton mit den hässlichen, dafür aber teuren Schuhen unter den Arm, geht zur Kasse, zahlt und verlässt zu tiefst erniedrigt , traumatisiert und mit einer orangefarbenen Tüte den Laden.
Kann ein Schuhkauf noch schlimmer sein?
P.S Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen sind rein zufällig


