17. September 2010 in Allgemein von

Samstag, 11. September 2010. Es ist DER  Tag. Der erste Tag meines sportlichen Lebens. Ich bin so aufgeregt, dass ich ungewöhnlich früh aufwache und hoch motiviert in meine noch jungfräulichen Sportsachen springe. 50 % der Männer mit denen ich mein Leben teile sehen mich hochgradig irritiert an, die anderen 50 % schlafen einfach weiter.

Da die ersten 50% ein wesentlicher Bestandteil meines morgendlichen Workouts sind, versuche ich sie mit liebevoll gesäuselten „loooos komm mit, fein aufstehen, mach hops! “  zu motivieren.

Die 50 % runzeln die Stirn und machen es sich seufzend und schmatzend auf meiner Bettseite bequem. Eine Frechheit. Meine Motivation wird durch schlichtes Ignorieren sabotiert.

Ich versuche es mit einer Maßnahme, die eigentlich immer funktioniert. Ich gehe in den Flur und nehme Hundeleine und Wohnungsschlüssel in die Hand. Und richtig … es funktioniert einfach immer. Die grade noch schmatzenden und irritierten 50 % kommen aufgeregt zu mir geschossen, wuseln um meine Beine und lecken mir übers Gesicht als mich bücke, um Leine und Halsband zu befestigen.

Auf dem Weg in den Park muss ich drei Mal umdrehen. Es gibt so viele komische Dinge, an die man auf einmal denken muss. Pulsuhr, Schlüssel, iPhone und…. Kopfhörer.

Langsam ist langweilig

Ich beginne, so wie die Frau aus der Get Running App es befiehlt mich „Warmzugehen“.

Die mich begleitenden 50 % namens Chester nutzen sie Zeit sinnvoll zum Schnüffeln …

Als die Frau im Ohr mir aufträgt jetzt meine erste Minute zu laufen sprinte ich hochmotiviert los. Ein Fehler. Nicht nur ich sprinte sondern auch mein Puls.

Chester schaut mir hochgradig irritiert hinterher. Nicht nur, dass man zu unhundischen Zeiten spazieren gehen muss, jetzt rennt die Alte auch noch los…

Ich bin zu beschäftigt mit meiner Pulsuhr, als dass ich mich dem gelben Fellmonster widmen kann.

Die Uhr teilt mir mit, dass ich mich im Bereich der Power-Zone befinde.

Hört sich gut an, ist es aber nicht. Laut Bedienungsanleitung ist diese Zone für „leistungsorientiertes Wettkampftraining“ und „trainierte Sportler“ geeignet.

Also ganz eindeutig NICHT für mich.

Also versuche ich, langsamer zu laufen. Einige Sekunden später muss ich, laut Anweisung der Dame in meinem Ohr für 1,5 Minuten gehen.

Rentner und Rennschnecken

Irritierte und mitleidige  Blicke nicht nur aus Hundeaugen, sondern auch von den ca 500 Läufern die sich zu dieser morgendlichen Stunde im Park herumtreiben.

Ich ignoriere diese Blicke und bereite mich auf die nächste Laufeinheit vor. Ich laufe deutlich langsamer, trotzdem ist mein Puls noch zu hoch. Also NOCH langsamer.

Inzwischen bin ich von diversen Menschen überholt worden. Von hochmotivierten Wettkampfläufern, von gut trainierten Frauen und Männern mittleren Alters, von 80- jährigen Rentnern, und ich bin mir sicher, dass auch eine hämisch grinsende Nacktschnecke, wahrscheinlich war es eine Rennschnecke ohne Haus, an mir vorbeigezogen ist.

Ich denke über Rennschnecken nach.

Dann über  “Die unendliche Geschichte” …dann über rennende Renter… und über die Fledermaus aus der unendlichen Geschichte… und über Fuchur… und darüber, dass Chester eigentlich Fuchur heißen sollte… und über meine Pulsuhr…  Wer auch immer gesagt hat, dass man beim Laufen gut nachdenken kann, spinnt…

Das Hundemonster trabt inzwischen gemütlich neben mir her… warum nur habe ich das Gefühl, dass er mich auslacht?

Immerhin habe ich meinen Puls langsam im Griff, wenn er auch gegen Ende der Laufminute immer noch ganz schön hoch ist.

Wirklich anstrengend ist das Ganze aber nicht. Das subjektive Anstrengungsgefühl und das, was mir meine Pulsuhr sagt, weichen deutlich voneinander ab.

Nachdem ich acht Laufen-Gehen-Zyklen abgeschlossen habe, bin ich nicht halb so fertig wie erwartet.

Ich überlege sogar, noch ein paar Minuten weiterzulaufen, sehe aber davon ab. Ich werde mich genau an das halten, was die Frau in meinem Ohr mir sagt und gehe einfach noch ein bisschen spazieren.

Zu Hause angekommen merke ich dann allerdings sehr wohl, dass ich mich bewegt habe. Ich sinke auf das Sofa und ignoriere Chesters „fein, ich bin warmgelaufen, was spielen wir jetzt??” Blick.

Der Doppelkater

Am nächsten Morgen.

Eine interssante Erfahrung. Ich erwache mit einem sogenannten Doppelkater …

Nach meinem erfolgreichen Laufdebut habe ich dieses mit einigen Gläsern Wein und Sekt begossen und meinen Freunden ( den Vier-und den Zweibeinigen) ausführlich (!!!!!!) von meinen „Erfahrungen als Sportler“ berichtet. Anschließend habe ich das erste Mal in meinem Leben Dart gespielt ( gibt es etwas langweiligeres?). Was für ein unglaublich sportlicher Tag.

P.S Den Ausgang des Klitschko-Kampfes inkl. der Frage wer wen, wann in welcher Runde k.o schlägt, habe ich auch richtig vorhergesagt … da kann man mal sehen, wie sportlich ich bin ;-)