Lauf, Diana, Lauf. Teil V.- Das erste Mal.
Samstag, 11. September 2010. Es ist DER Tag. Der erste Tag meines sportlichen Lebens. Ich bin so aufgeregt, dass ich ungewöhnlich früh aufwache und hoch motiviert in meine noch jungfräulichen Sportsachen springe. 50 % der Männer mit denen ich mein Leben teile sehen mich hochgradig irritiert an, die anderen 50 % schlafen einfach weiter.
Da die ersten 50% ein wesentlicher Bestandteil meines morgendlichen Workouts sind, versuche ich sie mit liebevoll gesäuselten „loooos komm mit, fein aufstehen, mach hops! “ zu motivieren.
Die 50 % runzeln die Stirn und machen es sich seufzend und schmatzend auf meiner Bettseite bequem. Eine Frechheit. Meine Motivation wird durch schlichtes Ignorieren sabotiert.
Ich versuche es mit einer Maßnahme, die eigentlich immer funktioniert. Ich gehe in den Flur und nehme Hundeleine und Wohnungsschlüssel in die Hand. Und richtig … es funktioniert einfach immer. Die grade noch schmatzenden und irritierten 50 % kommen aufgeregt zu mir geschossen, wuseln um meine Beine und lecken mir übers Gesicht als mich bücke, um Leine und Halsband zu befestigen.
Auf dem Weg in den Park muss ich drei Mal umdrehen. Es gibt so viele komische Dinge, an die man auf einmal denken muss. Pulsuhr, Schlüssel, iPhone und…. Kopfhörer.
Langsam ist langweilig
Ich beginne, so wie die Frau aus der Get Running App es befiehlt mich „Warmzugehen“.
Die mich begleitenden 50 % namens Chester nutzen sie Zeit sinnvoll zum Schnüffeln …
Als die Frau im Ohr mir aufträgt jetzt meine erste Minute zu laufen sprinte ich hochmotiviert los. Ein Fehler. Nicht nur ich sprinte sondern auch mein Puls.
Chester schaut mir hochgradig irritiert hinterher. Nicht nur, dass man zu unhundischen Zeiten spazieren gehen muss, jetzt rennt die Alte auch noch los…
Ich bin zu beschäftigt mit meiner Pulsuhr, als dass ich mich dem gelben Fellmonster widmen kann.
Die Uhr teilt mir mit, dass ich mich im Bereich der Power-Zone befinde.
Hört sich gut an, ist es aber nicht. Laut Bedienungsanleitung ist diese Zone für „leistungsorientiertes Wettkampftraining“ und „trainierte Sportler“ geeignet.
Also ganz eindeutig NICHT für mich.
Also versuche ich, langsamer zu laufen. Einige Sekunden später muss ich, laut Anweisung der Dame in meinem Ohr für 1,5 Minuten gehen.
Rentner und Rennschnecken
Irritierte und mitleidige Blicke nicht nur aus Hundeaugen, sondern auch von den ca 500 Läufern die sich zu dieser morgendlichen Stunde im Park herumtreiben.
Ich ignoriere diese Blicke und bereite mich auf die nächste Laufeinheit vor. Ich laufe deutlich langsamer, trotzdem ist mein Puls noch zu hoch. Also NOCH langsamer.
Inzwischen bin ich von diversen Menschen überholt worden. Von hochmotivierten Wettkampfläufern, von gut trainierten Frauen und Männern mittleren Alters, von 80- jährigen Rentnern, und ich bin mir sicher, dass auch eine hämisch grinsende Nacktschnecke, wahrscheinlich war es eine Rennschnecke ohne Haus, an mir vorbeigezogen ist.
Ich denke über Rennschnecken nach.
Dann über “Die unendliche Geschichte” …dann über rennende Renter… und über die Fledermaus aus der unendlichen Geschichte… und über Fuchur… und darüber, dass Chester eigentlich Fuchur heißen sollte… und über meine Pulsuhr… Wer auch immer gesagt hat, dass man beim Laufen gut nachdenken kann, spinnt…
Das Hundemonster trabt inzwischen gemütlich neben mir her… warum nur habe ich das Gefühl, dass er mich auslacht?
Immerhin habe ich meinen Puls langsam im Griff, wenn er auch gegen Ende der Laufminute immer noch ganz schön hoch ist.
Wirklich anstrengend ist das Ganze aber nicht. Das subjektive Anstrengungsgefühl und das, was mir meine Pulsuhr sagt, weichen deutlich voneinander ab.
Nachdem ich acht Laufen-Gehen-Zyklen abgeschlossen habe, bin ich nicht halb so fertig wie erwartet.
Ich überlege sogar, noch ein paar Minuten weiterzulaufen, sehe aber davon ab. Ich werde mich genau an das halten, was die Frau in meinem Ohr mir sagt und gehe einfach noch ein bisschen spazieren.
Zu Hause angekommen merke ich dann allerdings sehr wohl, dass ich mich bewegt habe. Ich sinke auf das Sofa und ignoriere Chesters „fein, ich bin warmgelaufen, was spielen wir jetzt??” Blick.
Der Doppelkater
Am nächsten Morgen.
Eine interssante Erfahrung. Ich erwache mit einem sogenannten Doppelkater …
Nach meinem erfolgreichen Laufdebut habe ich dieses mit einigen Gläsern Wein und Sekt begossen und meinen Freunden ( den Vier-und den Zweibeinigen) ausführlich (!!!!!!) von meinen „Erfahrungen als Sportler“ berichtet. Anschließend habe ich das erste Mal in meinem Leben Dart gespielt ( gibt es etwas langweiligeres?). Was für ein unglaublich sportlicher Tag.
P.S Den Ausgang des Klitschko-Kampfes inkl. der Frage wer wen, wann in welcher Runde k.o schlägt, habe ich auch richtig vorhergesagt … da kann man mal sehen, wie sportlich ich bin



17. September 2010 at 11:58 | Lars
Yeah, willkommen im Club.
Das mit den mitleidigen Blicken der Rentner dürfte noch ein paar Wochen so gehen (am besten sind aber die Omas, die man überholt und die dann 2 km lang versuchen, einen zurück zu überholen!^^)… am Anfang wünscht man sich, man könne unsichtbar laufen. Oder, dass diese halb fliegenden Superathleten von einem Hund angefallen werden!
Hat man die Phase überwunden, kann man auch beim Laufen gut nachdenken, weil die Beine sich von alleine bewegen.
Und ein Hoch auf das Hundemonster!
17. September 2010 at 12:07 | Diana
Chester weigert sich das “Fass den Rentner- Kommando” auszuführen… er findet die Lauferei inzwischen ein wenig merkwürdig. Aber dazu demnächst mehr
Ich habe inzwischen die Kapuze an meinem wundervollen Trainingsanzug sehr zu schätzen gelernt und tarne mich als Diana-Balboa- das läuft ganz gut!
17. September 2010 at 12:24 | Lars
Hihi, das kommt mir alles sehr bekannt vor (bei mir wars die Rocky-Hafenmütze und da drüber Kapuze).
Mit dem “Fass den Rentner-Kommando” wäre ich eh vorsichtig; nicht, dass so ein fieser Doping-Renter erst Chester und dann das Frauchen verprügelt…
…das traue ich denen nämlich zu!
17. September 2010 at 13:57 | Diana
Chester übt sich derzeit in verschiedenen “Mir ist so laaaangweilig beim Laufen” Disziplinen. Das mit dem “Fass” brauchen wir da gar nicht. In der Regel fallen Rentner von selbst um wenn sie ihn sehen…
Ach so: Ich WILL eine Rocky-Hafenmütze! SOFOOOOOOOORT!
17. September 2010 at 19:03 | Lars
Die Mütze hat noch einen Vorteil: wenn einen der leichte Druck nicht stört, braucht man keine neuen Kopfhörer.
18. September 2010 at 12:26 | Diana
Aber dann sieht man die tollen neuen Kopfhörer nicht und das wäre doch schade! Nachdem die blôden Bügel-Kopfhörer viel zu groß waren habe ich ganz normale gekauft. In PINK
20. September 2010 at 23:58 | Andreas
Ich wünsch dir viel Erfolg!!