re:publica 2010- Jenny und Diana auf großer Reise
Am Donnerstagmorgen machten Jenny und ich uns auf die (zumindest auf dem Hinweg) kurze Reise nach Berlin. Abgesehen davon, dass Jenny ihr Handgepäck mit 9,3 Kilo um genau 1,3 Kilo zu schwer beladen hatte und es deswegen kein Handgepäck mehr war, verlief die Reise ohne Komplikationen, Verspätungen und Verhaftungen.
Angekommen in Berlin machten wir uns auf den Weg in den Friedrichstadtpalast und warfen uns ins, nicht nur sprichwörtliche, Getümmel.
Vortrag 1: „Web 2.0 als reines Freizeitvergnügen für Geeks und Nerds oder ernsthafte Lernanwendung für die Masse?“
Referiert wurde zu diesem Thema von Kai Sostmann, Kinderarzt an der Berliner Charité. Es war ein durchaus interessanter und vielseitiger Vortrag mit dem Schwerpunkt eLearning, der mithilfe von bunten Abstimmungskärtchen „interaktiv“ gestaltet werden sollte. Dumm nur, dass die wenigsten verstanden, welche Kartenfarbe für wen und was bestimmt sein sollte
.
Inhaltlich war der Vortrag für Jenny und mich eher aus studientechnischen Gründen interessant, denn Lernen soll in unserem Blog nun wirklich niemand was
Die Diskussion, warum die meisten Studierenden ihre Freizeit zwar mit dem Internet verbringen, es jedoch kaum zum Lernen nutzen, hätte sicher noch stundenlang geführt weitergeführt werden können. Offenbar ist das Internet für die meisten Studierenden eher ein Freizeitmedium als Lernmittel. Hinzu kommt natürlich, dass viele Fakultäten einfach keine eLearning- Möglichkeiten anbieten.
Vortrag 2 “Liebe ist für alle da. New Story Telling am Beispiel der Netzgeschichten über Beziehung & Partner“
Spätestens bei diesem Vortrag wurde uns ziemlich deutlich klar, dass wir ganz eindeutig nicht zum durchschnittlichen Publikum der re:publica gehören. Wir haben unsere Freunde nicht über das Internet kennengelernt (wobei nun wirklich nichts gegen diese Art der Partnersuche einzuwenden ist
) , der Großteil unseres Lebens findet außerhalb des Internets statt, wir verzichten beide in der Regel darauf, unser Privatleben in der Öffentlichkeit des Internets breitzutreten und haben mit unseren Männern keinen „was ich im Internet darf und was nicht“ Katalog aufgestellt.
Dass viele Menschen im Internet eine Art Zweitleben führen, das mit der Realität wenig zu tun hat und vor allem dazu dient, ein fiktives Bild von sich selbst und seiner Beziehung zu entwerfen, fanden wir befremdlich, allerdings nachvollziehbar.
Wenn all die Einträge bei Facebook und Co wahr wären, würden 90 % aller Paare ausschließlich lustige, unterhaltsame, romantische und vor allem unvergleichbar glückliche Beziehungen führen.
Viel dramatischer als der Vortrag selbst war jedoch das Geschehen davor, denn um ein Haar hätte dieser Vortrag nie stattgefunden. Der Grund hierfür saß in der ersten Reihe und fiel durch seine schlichte Schönheit auf.
Es führte in kürzester Zeit zu fast hysterischen Freudenausbrüchen, Kniefällen und Tränen des Glücks. Der stolze „Partner“ (Das Wort „Besitzer“ wäre in diesem Zusammenhang einfach nicht treffend) des Objekts der Begierde, lächelte stolz in die Runde und gab das angebetete Heiligtum freimütig der allgemeinen Bewunderung preis.
Innerhalb weniger Sekunden war es von verschiedenen Menschen geherzt, getestet und beweint worden.
Ja, richtig geraten, es befand sich ein iPad im Raum. Hätte sich in diesem Moment der Heilige Gral aus dem Nichts materialisiert, kein Mensch hätte sich darum geschert.
Vortrag 3 „Was am Internet in Deutschland wirklich hassenswert ist“
An dieser Veranstaltung schieden sich die Geister. Jenny fand die an eine Standup- Comedy Nummer erinnernde Entertainmentveranstaltung unterhaltsam, mein Fall war es nicht.
Mag sein, dass es einfach nicht mein Humor war, mag sein, dass es mir an der typischen Einstellung vieler Blogger mangelt, die Kommerzialisierung von Blogs grundsätzlich zu verdammen, mag sein, dass mir die Selbstdarstellerei und die „wir sind so anders und speziell- Attitüde“ vieler „Blogger“ einfach schrecklich auf die Nerven geht.
Nichts für ungut, sicher hat hinter „Was am Internet in Deutschland wirklich hassenswert ist“ eine Menge Arbeit gesteckt, und Gedanken haben sich Anne Roth, Bov Bjerg, Carolin Buchheim und Jens Scholz ganz eindeutig viele gemacht, nur war es eben einfach nicht mein Ding.
Mein persönliches Highlight der Nummer war übrigens die Äußerung, dass man bzw. in diesem Fall Frau es hasse, wenn „Blogger“ stolz darauf sind, in den Printmedien erwähnt zu werden, denn schließlich will man sich ganz eindeutig von diesem Medium absetzen.
Ich habe nur leider nicht verstanden, warum die gleiche Frau eine Flasche Sekt mit den Kollegen öffnet, wenn der eigene Blog in der Bildzeitung zitiert wird. ( Die Bildzeitung musste man/frau aber selbstverständlich heimlich und verschämt am Kiosk kaufen)… Schwierig. Vielleicht habe ich nicht richtig aufgepasst, vielleicht habe ich das alles entscheidende Argument verpasst.
Haben wir etwas gelernt aus diesem Vortrag? Es nervt, dass es DAS Blog und NIE NIE NIE DER Blog heißt. Hier stimme ich der Rednerin aus vollem Herzen zu. Für mich ist und bleibt der Blog männlich, auch wenn ich aus dem folgenden Vortrag aufgrund einer solchen Aussage sicher zwangsentfernt worden wäre, denn dieser behandelte das Thema:
Vortrag 4 „Das andere Geschlecht. Sexismus im Internet“
Warum um alles in der Welt müssen Diskussionen zu diesem Thema immer so staubtrocken sein? Sicher, Sexismus ist ein Problem, ich muss allerdings sagen, dass ich mit dieser Thematik, anders als die Rednerinnen, nur selten konfrontiert werde. Wenn doch, bin ich selbstbewusst genug, um entsprechend zu reagieren.
Wahrscheinlich liegt aber genau hier der Punkt. Um entsprechend reagieren zu können, oder Dummheiten sexistischer Art angemessen zu ignorieren, braucht man ein gewisses Selbstbewusstsein, das jüngeren Mädels die im Internet mit unsagbar dummen Äußerungen konfrontiert werden, vielleicht einfach noch nicht gegeben ist.
Was während der Diskussion im Online-Chat zur Veranstaltung abging, war so dämlich, dass man eigentlich nur darüber lachen kann. Klüger ist es jedoch, die Chatbeiträge einfach zu ignorieren, deswegen gibt es an dieser Stelle auch keinen Screenshot
Vortrag 5 „Blog- und Bloggertypologien“
Ganz ehrlich, die Redner Philipp Katzer und Stefan Mey haben mir leidgetan. Das Thema des Vortrags ist gleichzeitig Magisterarbeitsthema und sicher waren die beiden entsprechend gut vorbereitet. Leider fand der Vortrag in einem viel zu kleinen Raum statt, dem nicht nur die Fenster fehlten, sondern auch der Sauerstoff.
So kam es, dass die ersten Leute schon wenige Minuten nach Beginn des Vortrags leicht schwankend den Raum verließen. Jenny und ich haben etwa 20 Minuten durchgehalten, dann ist auch uns die Luft ausgegangen. Wirklich schade bringt uns aber zu einem Punkt, der sowohl Jenny als auch mir aufgefallen ist.
Viele der Veranstaltungen waren gnadenlos überfüllt. Ich frage mich wirklich, ob man das nicht hätte besser regeln können. Die Karten für die re:publica kosten Geld, es gibt eine begrenzte Anzahl an Karten, somit kann man planen, wie viele Menschen auftauchen werden.
Natürlich laufen diverse Veranstaltungen parallel, wenn sich jedoch 2500 Menschen auf fünf Veranstaltungen verteilen, kann man davon ausgehen, dass es in einem Raum, der für ca 30 Leute geplant ist, sehr sehr eng wird.
Fazit
Nein, wir sind keine typischen Blogger, sofern es denn so was gibt, und sind auf der re:publica in eine Welt eingetaucht, die nicht unbedingt unsere ist. Nichtsdestotrotz war es interessant, zu hören was die sogenannten „Alphablogger“ zu sagen haben, und einen Einblick in eine fremde Szene zu bekommen.
Versteht uns nicht falsch. Das was wir hier tun, macht uns großen Spaß. Ein Widerspruch? Vielleicht, aber wir haben auf der re:publica gelernt, dass Widersprüche vollkommen akzeptabel sind
P.S Jenny und ich kennen uns jetzt noch ein wenig besser als vorher, denn unser Hotelzimmer verfügte über ein offenes Badezimmer. Auf dem Bett sitzend hatte man einen wundervollen Ausblick in (!) die Dusche.
P.P.S, Wie wir zurück nach Köln kamen? Natürlich mit dem Zug. Nachdem am Donnerstagabend klar wurde, dass es mit dem Rückflug schlecht aussah, sind wir zum Bahnhof gerannt, und haben Zugtickets inkl. Sitzplatzreservierungen gekauft. Warum wir nicht online gebucht haben? Ganz einfach. Die Buchungsseite der Deutschen Bahn war vollkommen überlastet. Manchmal muss man eben auch ohne Internet klarkommen


20. April 2010 at 11:34 | Lars
…dann wart ihr also auch im Park Inn am Alex
… klasse Aussicht, oder ?
20. April 2010 at 12:45 | Diana
Falsch geraten. Waren im BW – Mitte
Und die Aussicht war eher unheimlich. Sicht in einen ehemaligen Bunker in den jemand ein Krankenbett mit einer Puppe gelegt hat, die allerdings täuschend echt aussah… wir haben uns KAUM erschrocken