20. April 2010 in Chesters Diary von

Als professioneller Bürohund beobachte ich das Treiben um mich herum mit besonderer Aufmerksamkeit. Arbeitsabläufe werden optimiert und vereinfacht (manchmal auch verkompliziert), Serviceleistungen werden verbessert.

Das Wasser das im ersten OG, wie bisher überall sonst auch, aus dem kompliziert zu bedienenden Wasserhahn kam, läuft nun praktischerweise einfach aus der Zimmerdecke.

In Fachkreisen nennt man das wohl Wasserrohrbruch. Ich persönlich finde diese Vereinfachung der Wasserversorgung ungemein praktisch, denn an Wasserhähne komme ich aufgrund mangelnder Körpergröße nicht heran (manchmal wäre ich gerne eine Dogge) und die Bedienung dieser Wasserspeier ist ohne Daumen nahezu unmöglich.

Für Menschen scheint ein Wasserrohrbruch keine sinnvolle Änderung darzustellen, die Stimmung ist eher unentspannt.

Auch ich habe aus diesem Grund beschlossen, meine Arbeitsabläufe zu optimieren.

Maßnahme Nr. 1: Logische Anpassung von Abläufen aus ökonomischen Gründen

Meine erste Maßnahme betrifft hierbei das Futterbeuteltraining:  Diana versteckt einen Futterbeutel im Wald, ich muss ihn suchen und apportieren. Gelegentlich versteckt sie zusätzlich einen Ball, ich muss dann den Gegenstand bringen, den sie verlangt. Das BALL und BEUTEL sich in Hundeohren sehr ähnlich anhören hat der Menschenfrau mal wieder keiner gesagt.

Da Diana leider manchmal recht unaufmerksam und ein wenig schwerfällig ist, kann es passieren, dass sie mir aufträgt, den Beutel zu bringen, obwohl der Ball viel näher liegt. Ich war so frei diesen Missstand zu korrigieren.

Zwar hat sie nach dem Beutel verlangt, der Ball lag aber auf dem direkten Weg zum Beutel. Ich habe den Ball dann einfach aufgesammelt, mit dem Ball im Maul den Beutel gesucht und den Ball am Fundort des Beutels gegen den Beutel getauscht.

Der so geänderte Ablauf und die Verteilung der Ressourcen ist eindeutig praktischer, denn aus Erfahrung weiß ich, dass Diana nachdem ich ihr den Beutel gebracht habe auch noch den Ball herbeigetragen haben möchte. Erneutes umständliches Suchen entfällt, denn schließlich habe ich selbst den Ball an Ort und Stelle gelagert und den Aufbewahrungsort von Dingen die ich selbst versteckt habe, vergesse ich NIE.

Den Beutel habe ich dann wie gefordert zu Diana gebracht. Nicht verstanden habe ich allerdings, warum sie Tränen gelacht hat… vielleicht war sie auch nur zu Tränen gerührt angesichts meiner Optimierungsmaßnahme?

Anm. des Korrektors: Ja, ich weiß, das war nicht der geplante Apportiervorgang und eigentlich als „Ungehorsam“ einzustufen, aber die vollkommene Selbstverständlichkeit, mit der Chester die Arbeitsabläufe geändert und Ball und Beutel an Ort und Stelle vertauscht hat, war einfach zu schön!

Manchmal bringt mich dieser Hund so zum Lachen, dass ich einfach nicht konsequent sein kann. Aber Chester wäre nicht Chester, wenn er sich nicht umgehend an die weitere Optimierung von “Missständen”  machen würde…

Maßnahme Nr. 2:  Optimierung der Futterbeutelverwaltung

Nachdem ich heute Morgen also von der sinnvollen Änderung in der Wasserversorgung gehört habe, habe ich auch im Büro mein Futterbeuteltraining optimiert.

Diana hat meinen Futterbeitel neben ihren Schreibtisch auf einen Rollcontainer in Hundenasenhöhe gelegt (mutmaßlich zum Nachfüllen), ihn dann aber vergessen. Als sie dann den Raum verlassen hat, habe ich entschieden, dass es sehr viel sinnvoller ist, wenn ich die Verwaltung dieses kostbaren Stoffbeutels übernehme.

Sie lässt ihn ja eh nur in der Gegend herumliegen oder verliert ihn.

Ich habe mir den Beutel also geschnappt und mit in mein Hundebett genommen. Als Diana wiederkam, habe ich sehr stolz in meinem Bett gelegen und noch stolzer mit dem Schwanz gewedelt, um auf meine Verbesserungsmethode hinzuweisen.

Diana hat erst gelacht ( obwohl sie krampfhaft versucht hat ernst zu bleiben) den Beutel dann allerdings wieder an sich genommen. Offenbar war sie nicht einverstanden mit meiner Verbesserungsmaßnahme.

Jetzt liegt der Beutel provokativ in Ihrer offenen und auf dem Boden stehenden Tasche und es ist STRENGSTENS verboten, ihn sich zu nehmen. Naja, man kann nicht immer gewinnen. Aber das mit dem Wasser aus der Decke, DAS ist wirklich praktisch!

Anm. des Korrektors: Ja, mir ist bewusst, das auch der Diebstahl des Futterbeutels eine Frechheit war. Eigentlich macht er so was auch nicht… ( Lieblingssatz Nummer 2 aller Hundebesitzer). Ich gehe allerdings davon aus, dass es sich um einen einmaligen Versuch handelte ;-) ,  denn ich habe inzwischen mehrere Male den Raum verlassen und den Beutel provokativ in Chester- Nähe liegen gelassen. Nichts ist passiert, ich hake die Sache also als „Flausen im Labradorhirn“ ab ;-)