Zweiter Bildungsweg: Junghundausbilder

Inzwischen bin ich ja ganz schön erwachsen. Auch als Hund bedeutet das, dass man die ein oder andere verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen hat. In meinem Fall ist hiermit nicht nur die Bewachung des Büros gemeint, bei der ich aktuell eine neue Strategie anwende. Ich tarne mich als Stinktier und belästige alle mit meinen Ausdünstungen, sodass früher oder später jeder die Flucht ergreift. Klappt sehr gut, kann ich nur empfehlen. Ich verstehe sowieso nicht warum Menschen ständig unter die Dusche gehen, ein dezenter Körpergeruch hat doch auch was für sich…
Die andere Aufgabe betrifft die Ausbildung jüngerer Hunde.
Ich habe eine neue und sehr hinreißende Labrador-Freundin namens Clara. Clara ist erst acht Monate alt und muss, in Bezug auf hündische Verhaltensregeln gegenüber anderen Hunden, noch viel lernen. Da ich mich als Lehrer berufen fühle, hatte ich mein übliches „erstmal klarstellen, wer Chef ist, dann spielen“- Ritual geplant. Guter Plan, schwierige Umsetzung.
Clara ist gute 5 Kilo schwerer als ich und es dauerte keine 2 Sekunden und ich lag auf dem Rücken wie ein Käfer. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.. nun ja. Gute Miene zum bösen Spiel machen und die nächste Lektion in Angriff nehmen.
Thema: Ball.
Mein Ball gehört mir, ich teile gerne, aber nur freiwillig. Angebermäßig bin ich also mit dem Ball im Maul um die Wiese getobt. Bis dahin war alles gut. Clara lief bewundernd neben mir her, knuffte mich ein paar Mal in die Seite (freche Göre) und alles war gut.
Dann aber verspürte ich ein stärker werdendes Ziehen an meinem Ohr. Ein kurzes Schielen zur Seite genügte, um festzustellen, dass an meinem weichen, plüschigen und wunderschönen Ohr 26 Kilo gelbes Labradormädchen hingen. Vor lauter Verwunderung ist mir fast der Ball aus dem Maul gefallen. Das Dumme: ich glaube ich bin zu gutmütig und so habe ich sie einfach ein bisschen an meinen Ohren knabbern lassen…
Um es kurz zu machen: Manchmal hat man gegen Hündinnen einfach keine Chance. Und dann, dann hilft nur noch eins: verzweifeltes und unkoordiniertes RAMMELN!
P.S Vielleicht muss ich versuchen, Sie durch meine intellektuellen Fähigkeiten zu beeindrucken. Aus diesem Grund schlafe ich jetzt mit dem Kopf auf dem Duden…
