Skip to main content

Fußball-Bundesliga: So gut ist das Internet in den Stadien

Fußballerisch spielt die Bundesliga sicherlich ganz weit oben. Doch schaut man sich an, inwieweit die Vereine sich digitalisieren konnten, sieht es düster aus – insbesondere beim Internet innerhalb der Stadien. Wir haben überprüft, wie gut die Stadien der Bundesliga-Vereine vernetzt sind. Unser Ergebnis: Ein gutes Netz gibt es meist nur in den Toren.

– Stand: August 2017


Eigentlich könnte man denken, dass dort, wo sich Woche für Woche tausende Fans versammeln, das Netz nicht besser sein könnte. Dass sich gerade an diesen Orten die Mobilfunker und die Vereine richtig ins Zeug legen, um Internet für die zehntausenden Menschen zu gewährleisten. Denn seien wir mal ehrlich: Kaum ein Fußball-Fan will in der heutigen Zeit vor, nach und manchmal auch während eines Spiels auf Internet verzichten. Die Ergebnisse in den anderen Stadien müssen geprüft werden, um die Chancen des eigenen Vereins im Pokal oder in der Liga auszumachen. Bilder wollen an die Familie gesendet werden. Und im Live-Ticker will der Fan kurz noch einmal nachschauen, ob das eben nicht gegebene Tor wirklich Abseits war oder nicht.

Acht Stadien bieten WLAN für Fans

Aber wie sieht die Realität aus? Düster, wie unsere Nachforschungen zeigen. Gerade einmal acht der 18 Bundesligisten bieten ihren Fans einen stabilen Zugriff auf ein WLAN-Netz an. Dazu gehört seit einigen Jahren die Allianz Arena (Bayern), die BayArena (Leverkusen), die Veltins-Arena (Schalke), der Signal-Iduna-Park (Dortmund) und – durch Hotspots von NetCologne – auch das RheinEnergie Stadion in Köln. Aber es gibt auch Newcomer: Seit Mitte der vergangenen Saison bietet etwa der VfL Wolfsburg in der Volkswagen Arena freies WLAN an. Der HSV stellt im Volksparkstadion ab dieser Saison sämtlichen Besuchern ein kostenfreies WiFi zur Verfügung. Das WLAN-Netz wird in allen Zuschauerbereichen, im gesamten VIP-Bereich und in allen Pressebereichen ausgestrahlt. Und in Mainz gibt es den kabellosen Internetzugang zumindest in allen Gebäuden der Arena.

Bundesliga Stadien im großen Sparhandy-WLAN-Check

Alle anderen Vereine sperren sich gegen ein stadionweites WLAN und bieten ein gutes Netz oftmals nur für Medienvertreter, VIP-Gäste oder in der Business-Louge an. Vor allem die Kosten verhindern einen konstanten Ausbau des WLAN-Netzes in den deutschen Stadien. Beispiel Weser-Stadion in Bremen: Hier lehnte die Stadtbürgerschaft im vergangenen Jahr den Ausbau eines öffentlichen WLAN-Netzes im Stadion ab. Das Geld sei woanders besser angelegt, urteilte der Wirtschaftsstaatsrat Eckhard Siering. Zwei Millionen Euro würde es kosten, nur damit 40.000 Fans 20 Mal im Jahr Internet haben.

Auch für andere Vereine sind die Kosten zu hoch. Aufsteiger Hannover 96 ließ auf Nachfrage wissen:

Wir haben uns vor einiger Zeit bewusst gegen ein Stadion-WLAN und für die Focierung des Ausbaus des Mobilfunknetzes entschieden. Das hat sich unserer Wahrnehmung nach sehr bewährt und auch als wirtschaftlich vernünftig herausgestellt, sodass es aktuell keine konkreten WLAN-Planungen gibt.

Einzig Pressevertreter erhalten einen WLAN-Zugang in der HDI-Arena. Der Login dafür hängt in den entsprechenden Arbeitsbereichen aus.

Moderne WLAN-Unterhaltungssysteme

Spitzenreiter in der Bundesliga ist der BVB aus Dortmund, die seit einigen Jahren mit 80.000 Fans jede zweite Woche quasi eine Kleinstadt online bringt. Dabei kooperierte der Verein mit Huawei, die den Ausbau erst ermöglichten. Auch Leverkusen ist in dieser Hinsicht Vorreiter. Der Verein hat die BayArena von der Telekom zur multimedialen Unterhaltungsarena ausbauen lassen. Die WLAN-Abdeckung ist für alle kostenfrei und eine App für den Zugriff auf Premium-Inhalte (Live-Kommentare, Live-Statistiken, Live-Streams) gibt es auch. „StadiumVision“ nennt sich das System, das Stadien in das neue Zeitalter des Internets integriert. In der Bundesliga ist Bayer 04 der erste und mit dem FC Bayern, dessen Sponsor die Telekom ist, auch der einzige, der dieses WLAN-Unterhaltungssystem anbietet. 350 WLAN-Access-Points hat der Verein in Kooperation mit der Telekom für die ungewöhnlich hohe Netzabdeckung verbauen lassen – auf der Tribüne und anderen Ebenen rund um das Fußballfeld.

Um alle Stadien mit WLAN auszustatten, bedarf es aber einer Großkooperation mit der Bundesliga. In Norwegen ist man in dieser Hinsicht bereits einen Schritt weiter. Dort sind seit einigen Jahren etwa alle Baseball-Stadien mit WLAN ausgestattet. Dazu hat Telekommunikations-Unternehmen Cisco eine Kooperation mit der Norwegian Professional Football League abgeschlossen. Ein Vorbild für die Bundesliga? Momentan ist das nicht in Sicht.

WLAN für ZuschauerWLAN für PressevertreterPlanungen der VereineWeiteres
Allianz Arena MünchenJaJaAusbau möglich
BayArena LeverkusenJaJaVoraussetzung für die Nutzung ist ein Log-In (Bayer 04-ID, Social-Login oder Voucher)
Signal Iduna DortmundJaJaKostenfreier Login auch ohne Registrierung
Veltins Arena SchalkeJaJaMedienvertreter erhalten ein gesondert abgeschlossenes Netz
Volksparkstadion in HamburgJaJaGesondertes Netz für Presse. Login entweder über Social-Media-Login (gültig für eine Saison) oder per One-Klick (24 Stunden gültig)
Volkswagen Arena WolfsburgJaJaWeiterer Ausbau in SichtIn der Logen- und Businessebene, auf der Haupttribüne sowie in Halle09 und Club45
RheinEnergie Stadion KölnJaJaZugriff auf vier Stunden begrenzt
Opel-Arena in MainzJa, in Aufenthaltsbereichen (u. a. in der Promenade)JaInternetzugang in der Promenade der Arena sowie in allen Gebäuden der Arena
Weser Stadion BremenNeink. A.Planungen auf Eis gelegt
Schwarzwald-Stadion FreiburgNeinJaIm neuen Stadion geplantAuch LAN-Anschlüsse für Presse
Borussia Park MönchengladbachNeinJaLangfristig nicht in Planung, da Kosten zu hoch
Red-Bull-Arena LeipzigNeinJaMomentan keine PlanungenAuch LAN-Anschlüsse für Presse
Olympiastadion BerlinNeinJaKonzepte für öffentliches WLAN werden geprüftVIP-Bereich mit WLAN-Hotspots
Commerzbank Arena FrankfurtNeink. A.k. A.
WWK Arena AugsburgNeinJak. A.
Wirsol Rhein-Neckar-Arena HoffenheimNeinJaWLAN auf der Pressetribüne, im Medienbereich, den Business-Seats und -Ebenen und in den Logen
HDI-Arena Hannover 96NeinJaGegen WLAN-Ausbau entschiedenKosten zu hoch
Mercedes-Benz-Arena StuttgartNeink. A.

Auskunft der Vereine

LTE in den Stadien

Aber wenn es kein WLAN sein soll – wie sieht es mit dem Mobilfunk aus? Hier machen die Mobilfunker Fortschritte. Vor allem die Telefonica (O2/E-Plus) kann die Stadien derzeit mit sehr gutem LTE versorgen, wie unsere Tabelle unten zeigt. Ansonsten können sich nahezu alle deutschen Vereine mit der Abdeckung rein objektiv zufrieden schätzen. Die Commerzbank-Arena kommt in unserem Check am besten davon, was das mobile Internet angeht.

Jedoch muss dem Ausbau eine deutlich höhere Intensität beigemessen werden. Schließlich wollen sich nicht hundert, sondern mehrere Zehntausende Fans in die Antennen der Mobilfunker einwählen – und das meistens gleichzeitig und über einen längeren Zeitraum. Das verringert die tatsächliche Geschwindigkeit enorm. Ein Sprecher des Mobilfunkanbieters Telefonica beschreibt das Problem auf Nachfrage so:

Wir sprechen bei Stadien über eine Penetration von nahezu 100 Prozent, d. h. so gut wie jeder Zuschauer führt heute ein Smartphone mit sich und nutzt es in der Regel auch. Aber auch eine passive Nutzung belastet die Netze, da viele Apps auf den Smartphones permanent nach Updates suchen. (…) Um die Konzentration auf engstem Raum zu managen, sind daher viele Antennenpunkte erforderlich.

Doch dieser massiven Intensität sind Grenzen gesetzt, zum Beispiel in der Zahl der Technikflächen oder der Statik beispielsweise des Stadiondachs. Für die Mobilfunkabdeckung in Stadien gilt also: Was auf dem Papier steht, kommt am Handy daher nicht immer an.

(Legende: Sehr gut = voller LTE-Empfang, Gut = Einschränkungen in der Geschwindigkeit bzw. LTE nur im Freien, Gering = kaum LTE verfügbar bzw. nur eine sehr geringe Geschwindigkeit)

Telekom LTEVodafone LTEO2/E-Plus LTE
Allianz Arena MünchenGutGering, Ausbau geplantSehr gut
BayArena LeverkusenSehr gutGutSehr gut
Signal Iduna DortmundGutGering, Ausbau geplantGut
Veltins Arena SchalkeSehr gutGeringSehr gut
Volksparkstadion in HamburgGutSehr gutSehr gut
Volkswagen Arena WolfsburgGut / Sehr gutGering, Ausbau geplantSehr gut
RheinEnergie Stadion KölnSehr gutKein LTEGering
Opel-Arena in MainzGutSehr gutGut
Weser Stadion BremenSehr gutGeringSehr gut
Schwarzwald-Stadion FreiburgSehr gutGut/Sehr gutSehr gut
Borussia Park MönchengladbachSehr gutGeringSehr gut
Red-Bull-Arena LeipzigSehr gutGutSehr gut
Olympiastadion BerlinGutGeringSehr gut
Commerzbank Arena FrankfurtSehr gutSehr gutSehr gut
WWK Arena AugsburgGutGutSehr gut
Wirsol Rhein-Neckar-Arena HoffenheimGutSehr gutSehr gut
HDI-Arena Hannover 96Sehr gutGutSehr gut
Mercedes-Benz-Arena StuttgartSehrGutSehr gut

Unser Fazit

Im Vergleich zum letzten Jahr haben einige Vereine den Ausbau von WLAN für Fans angestrengt. Dennoch bieten im Jahr 2017 nur 8 der 18 Bundesliga-Vereine ein Netz für die eigenen Anhänger an. Für viele Clubs sind die Kosten schlichtweg zu hoch. Da auch das mobile Internet aufgrund der Massen an Leuten häufig überlastet ist, gilt am Ende: Ein gutes Netz gibt es meist nur in den Toren. Diese aber wiederum erleben wir in unserer Bundesliga zum Glück reichlich.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (32 Bewertung(en) 4,56 von 5 Sternen)
Loading...